Trinity

Ja, was bedeutet wohl „Trinity“. Geht es hier überhaupt um Steine oder Mineralien? Handelt es sich vielleicht um einen Fachbegriff ausder Welt des Steineschleifens oder gar um die Bezeichnung einer Maschine hierzu? Allesfalsch! „Trinity“ bezeichnet den Schliff meines ersten facettierten Steins. Ich muss zugeben, dass ich zu Anfang meiner „Schleiferkarriere“ nicht viel mit facettierten Steinen anfangen konnte. Ich bewunderte zwar die tollen Steine, welche bei den monatlichen Treffen der Schleifergruppe der Münchener Mineralienfreunde herumgezeigt wurden. Noch mehr faszinierte mich aber die Bearbeitung vor allem heimischer Gesteine und die Tatsache, dass man diese Gesteine selber in der Natur finden konnte. Ich bearbeitete also zunächst einmal Steine, deren Gewicht mit Kilogramm bezeichnet wurden lieber als solche, bei denen die Bezeichnung „Karat“ Anwendungfand. Mit der Zeit wurde mir aber klar, dass ich mich einer gewissen Faszination für das Facettieren nicht entziehen konnte und ich meinen Horizont in diese Richtung erweitern wollte. Verstärkt wurde das ganze durch meine Freundschaft mit Uli Zeisberg aus München. Uli ist wohl einer der Wenigen, der sich sowohl für „gewöhnliche“ Kieselsteine, als auch für die äußerst präzise geschliffenen facettierten Edelsteine begeistert.  Zudem ist er auf dem zuletzt genannten Gebiet ein wahrer Könner und entwickelt auch eigene Schliffe mit fantastischen Ergebnissen. Im November 2008 war es schließlich so weit. Mit einpaar Rohsteinen in der Tasche, deren Gewicht sich in Gramm angeben ließe, stand ich vor Ulis Tür und es konnte losgehen! Ich muss gestehen, dass ich nach den ersten Erklärungen zur Handhabung der Schleifmaschine bzw. zum Vorbereiten und Orientieren des Rohsteins fast ein bisschen den Überblick verloren hätte. Zu neu warenviele Begriffe aus der ungewohnten Welt des Facettierens. Aber nach den ersten praktischen Anleitungen fand ich den Faden schnell wieder. Geschliffen habe ich meinen ersten Stein auf einer Maschine der Firma HAMAG. Ich war überrascht, wie wenig Platz benötigt wird und wie leise das Facettieren eines Steins abläuft. Bislang hatte ichden Begriff des Steineschleifens eher mit dem Tragen eines Gehörschutzes als mit einer netten Unter-haltung nebenbei verbunden. Begonnen wird beim Facettieren mit dem Unterteil des Steins. Hierzu sind bei den Hauptfacetten bestimmte, je nach geschliffenem Stein unterschiedliche Winkel einzuhalten. Die Winkel ergeben sich aus der jeweiligen Lichtbrechung des verwendeten Minerals. Werden diese Winkel nicht eingehalten, so geht das „Feuer“ des fertig geschliffenen Steins weitgehend verloren. Mit vier verschiedenen Körnungen habe ich die 12 Facetten auf der Unterseite meines Steins geschliffen und abschließend poliert. Ein erstes Erfolgserlebnis. Als Material habe ich übrigens einen gebrannten Citrin mit einer hellgelben Farbe verwendet. „Gebrannt“ bedeutet, dass die Farbe des Steins durch Erhitzen intensiviert wurde. Diese Behandlungsmethode wird bei vielen Steinen angewandt und muss beim Verkauf entsprechend deklariert werden. Als nächstes folgte die Bearbeitung der Rondiste. Einfach ausgedrückt könnte man auch sagen, die Bearbeitung des Randes. Die Rondiste kann entweder rund geschliffen oder aber auch facettiert werden. Bei meinem Stein wurde eine runde Rondiste geschliffen und poliert. Vor dem Mittagessen wurde der Stein noch „umgedoppt“, d. h. auf der Fertigen Unterseite an einem Doppstift aufgeklebt um die Oberseite des Steins schleifen zu können. Dies erfordert trotz einer speziellen Vorrichtung viel Fingerspitzengefühl. Uli erklärte mir die einzelnen Schritte ausführlich, führte das Umdoppen aber selber aus. Darauf hatten wir uns wegen des etwas begrenzten Zeitrahmens geeinigt. Schließlich mussten wir um 18.30 Uhr beim Treffen der Schleifergruppe erscheinen. Nach einem kurzen Mittagessen bekam die Oberseite meines Steins seine Form. Diese gestaltet sich zwar relativ einfach, verfehlt aber beim fertigen Stein nicht seine Wirkung! Zunächst wird die Oberseite kegelförmig rund geschliffen. Nach diesem Arbeitsgang werden noch drei Facetten auf die Oberseite des Steins geschliffen und abschließend poliert. FERTIG! Zum Schluss möchte ich noch anmerken, dass die ersten Teile einer Facettiermaschine bereits in meinem Keller liegen und auch der Rest nur noch eine Frage der Zeit sein wird. Inzwischen habe ich drei Steine unter der Anleitung von Uli Zeisberg facettiert, den letzten davon fast schon im Alleingang.

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